Suche
  • Michael Hahn

Tipps zur Aufnahme von Hilfsmitteln im Hilfsmittelverzeichnis der GKV


Am 23. Februar 2021 hat das Johner-Insitut einen lesenswerten Artikel zum Thema „Medizinprodukte als Hilfsmittel: Eine zusätzliche Einnahmequelle? (https://www.johner-institut.de/blog/gesundheitswesen/hilfsmittel/) veröffentlicht. Der Text fasst alles Wissenswerte rund um die regulatorischen und organisatorischen Zusammenhänge sehr gut zusammen, so dass ich diese hier nicht wiederholen möchte.

Ich möchte an dieser Stelle kurz über die praktischen Erfahrungen einer Antragstellung zur Aufnahme eines Medizinproduktes ins Hilfsmittelverzeichnis berichten. Grundsätzlich sollte man sich vor der Antragstellung im Klaren darüber sein, dass das Hilfsmittelverzeichnis keine rechtlich bindende Wirkung hat, sondern für die gesetzlichen Krankenkassen als Orientierungs- und Entscheidungshilfe dient. Das heißt, dass die Kosten für ein erfolgreich im Hilfsmittelverzeichnis gelistetes Produkt nicht automatisch von den Krankenkassen übernommen werden.

Grundlage für das hier geschilderte Antragsverfahren war die Überlegung meines Kunden, durch die Listung die bisherige aufwendige Praxis der Einzelantragstellung für jedes verschriebene Hilfsmittel (hier orthopädische Maßhandschuhe für Patienten mit angeborenen oder erworbenen Handicaps an Händen und/oder Fingern) zu vereinfachen, damit auch das Risiko einer Ablehnung im Sinne der Patienten zu minimieren und die Planungssicherheit für das eigene Unternehmen zu verbessern. Das Ablehnungs- bzw. Zusageverhalten der Kassen ist für Außenstehende kaum zu durchdringen, selbst innerhalb einzelner Kassen wird dies unterschiedlich gehandhabt. Und nur selten kann sich ein Arzt die Zeit nehmen, in einem Widerspruchsverfahren die therapeutische Notwendigkeit der von ihm verschriebenen Hilfsmittel aufwendig schriftlich zu begründen.

Wie im oben erwähnten Artikel des Johner-Insituts beschrieben, ist ein wesentlicher Aspekt bei der Antragstellung die richtige Auswahl der Positionsnummern, denn danach richten sich das Formular und die mitzuliefernden Dokumente, welche zu bearbeiten sind. In unserem konkreten Fall der orthopädischen Maßhandschuhe betraten wir Neuland, da noch keine vergleichbaren Produkte im Hilfsmittelverzeichnis gelistet waren. Hier tat sich die GKV schwer, neue Postionsnummern zu generieren, was wohl auch strukturelle Ursachen hat. Nach mehreren Anläufen wurden die Handschuhe dann in Produktgruppe 38 (Armprothesen) mit gleich 4! Untergruppen eingeordnet. Dies passt nicht genau auf den Anwendungsbereich der orthopädischen Handschuhe, zeigt aber, dass nach meiner persönlichen Meinung bei der Struktur der Positionsgruppen noch Optimierungspotenzial besteht.

Wichtig ist, sich nicht entmutigen zu lassen. Für so einen Antragsprozess sollte man durchaus, auch in Abhängigkeit von der technischen und therapeutischen Komplexität des Hilfsmittels einige Wochen einplanen. Und man sollte durchaus auch bei einer ersten Ablehnung den Widerspruch wagen, wenn man davon überzeugt ist, dass das eigene Produkt die Kriterien für die Aufnahme ins Hilfsmittelverzeichnis erfüllt.

Leider wurden die Erwartungen meines Kunden nach der erfolgreichen Listung der Handschuhe im Hilfsmittelverzeichnis nicht ganz erfüllt. Viele Krankenkassen lehnen die Rezepte, teilweise mit nicht nachvollziehbaren Gründen weiterhin ab, trotz Bekanntmachung des positiven Bescheids der GKV und paradoxerweise auch trotz einer vor der Listung erfolgten Forderung nach einer Hilfsmittelnummer. Das heißt für uns, dass wir hier weiter daran arbeiten müssen, um letztendlich doch noch die Zielstellungen, die der Kunde mit der Aufnahme seiner Produkte ins Hilfsmittelverzeichnis verfolgt hat, zu erreichen.

3 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Verschiebung der MDR in Aussicht

Die Informationen verdichten sich, dass die Europäische Kommission die Verschiebung des Geltungstermins der MDR um ein Jahr auf 2021 auf Grund der aktuellen Krisensituation plant. Die Bundesregierung

Klinische Bewertung von Medizinprodukten aus Sicht der MDR

Inhalte einer Klinischen Bewertung: Klinische Bewertungen sind ein integraler Bestandteil der technischen Dokumentation eines Medizinproduktes und Voraussetzung für das Inverkehrbringen und die Vermar

Logo1transparent.png